Wie oft hat man das schon gehört/ gelesen am Ende einer Beziehung?

Der/ die andere sagt zu einem "Du müsstest dich ändern."

Lässt euch so ein Satz auch immer völlig hilflos und gagga zurück? Oder ihr, die ihr diesen Satz schon mal gesagt habt oder es vorhabt, ihn zu sagen - steht ihr nicht eigentlich genauso hilflos und überfordert da?

Ich schreib das jetzt mal aus meiner Sicht, deshalb wandelt bitte die Geschlechterfrage so für euch um, wie es in euer Leben passt:

Stellt euch vor, ihr verliebt euch in eine Frau, die witzig ist, süß, ein bisschen chaotisch. Die aufregend neugierig ist unter ihrer so vernarbten Schale.

Habt ihr euch in sie verliebt, weil sie eben genau so ist?

Oder weil ihr "seht", dass sie besser (für euch?) wäre, wenn sie etwas ruhiger, entspannter, normaler werden würde?

Wer hat schon verstanden, dass der Partner im besten Fall der Spiegel von einem selbst ist und dass alle "Forderungen", die wir an den anderen stellen, eigentlich Wünsche sind, die wir für uns selbst erfüllen wollen?

Wenn also jemand zu mir sagt "Du müsstest dich ändern" bedeutet das eigentlich "ich würde mich gern ändern".

Doch es ist schwer, zu dem zu stehen, dass man selbst unzulänglich ist (allerdings auch nur für sich selbst). Also wird die Enttäuschung von sich selbst auf das Gegenüber projiziert und behauptet, der andere wäre nicht gut und deshalb müsse man gehen.

Königsklasse in dieser Disziplin ist dann noch, wer sagt "ich weiß ja, dass du dich nicht ändern kannst/ ändern willst und das verstehe ich auch total und ich möchte ja auch gar nicht, dass du dich änderst"

Das Ergebnis bleibt dasselbe.

Es wird einfach nicht die eigene Denke reflektiert.

Oder anders:

Wenn du sagst, dass ich mich ändern solle, ist das grundsätzlich falsch - außer ich tue dir körperlich oder geistig weh. Doch dann bist du hoffentlich nicht an meiner Seite.

Auch DU musst dich nicht ändern.

Wir beide haben vielmehr die Chance, jede Macke aufs Neue zu prüfen, ob wir den jeweils anderen trotzdem noch lieber mögen als alle anderen Möglichkeiten.

Wenn du also nicht magst, wie ich mir die Haare kämme, kannst du entweder sagen "Änder es, wie du deine Haare kämmst" (was ich wohlgemerkt schon beinahe 40 Jahre so und nicht anders mache). Oder du denkst dir "Ich mag es nicht, wie sie ihre Haare kämmt. Doch SIE ist nicht das Kämmen ihrer Haare, sondern so viel mehr. Und dieses "viel mehr" mag ich mehr als diese Unzufriedenheit ob ihrer Art, sich die Haare zu kämmen"

Kein Grund also, dem anderen zu sagen, dass er/ sie sich ändern sollte.

Was denkt ihr?