Ich saß gestern Abend in einer Kneipe, in der im Rahmen eines Songwriterabends eine junge Frau saß und ihr Können zum Besten gab.

Schöne Stimme, wirklich schöne Stimme. Nur leider auf Englisch gesungen.

Die Kneipe (Fassungsvermögen gut 30-50 Leute) war mit 6 anwesenden Gästen als "leer" zu bezeichnen. Und nein, es war auch nicht "intim" oder "gemütlich", sondern leer.

Der junge Mann, der diese Frau im Rahmen seiner Künstleragentur dorthin eingeladen hatte (und auch mich für den April gebucht hat), war vor Ort und es entspann sich ein interessantes Gespräch zwischen uns.

Ich kann mein Denken nicht ausschalten. Kann nicht verhindern, dass ich für jeden Felsen oder jedes Moor, dass sich vor uns auftut, einen, zwei, gar fünf Wege finde, um drumherum, darüber hinweg, oder eben unbeschadet mitten hindurch zu gelangen. Das ist wie Brainstorming mit mir selbst (was meine augenzwinkernde These unterstützt, dass ich mehr als eine Person bin *grins*).

Wir sprachen darüber, wie so eine Kneipe wohl voll zu kriegen sei und was daran seine Aufgabe wäre, die des Künstlers und die des Kneipiers...

Am Anfang war es ein lustiges Stöckchen-hinundherwerfen. Ich sagte etwas, er nickte, spann die Idee weiter, ich stieg ein. Ich bemerkte (ich beobachte mich ja eh immer selbst), dass ich im Denken immer schneller wurde und dem anderen wieder die Worte aus dem Mund nehmen konnte. Ich wusste einfach, was er dachte und sagen wollte.

Wir kamen auf die Idee, die anliegenden Hotels mit einzubeziehen. Natürlich hatte ich dazu auch schon wieder drei oder vier Ideen, was man machen/ ausprobieren könnte. Doch ich hielt mich zurück. Ich bin kein Kneipier, ich bin kein Veranstalter. Ich hab nicht das Recht und auch nicht die Aufgabe, mich da einzubringen. Und ja, es fiel mir schwer, nix zu sagen.

Dann kam die Künstlerin zu uns an den Tisch und da ich diese Situation kenne, in der sie sich befand (eigene Lieder mit blutendem Herz vortragen und NIEMAND!!!!! hört zu), sprudelten meine Gedanken sofort aus mir heraus.

Ihre Stimme war wundervoll und ich sprach mit ihr darüber, dass ich sie so gern mal auf Deutsch singen hören wollen würde. Ich legte all mein Wissen, meine Überzeugungskraft und meinen Charme ein, um für unsere Sprache zu werben.

Und da sagte der junge Mann "Jetzt lass sie doch mal in Ruhe!"

Ab da kippte das Gespräch. Egal, was ich sagte (wir sprachen mit der Künstlerin zusammen nochmal über das Thema von oben), es wurde abgewehrt mit "ist nicht meine Aufgabe" oder "das seh ich nicht ein" oder "darum musst du dich kümmern" oder "geht gaaaar nicht".

Und wieder:

Ich platze vor Ideen. Gib mir ein Problem. Ich werde es nicht lösen können. Doch ich werd dir Ideen geben können, mehr als eine. Was du davon umsetzt, bleibt dir überlassen, selbst wenn du NICHTS davon umsetzen solltest.

Es macht mich glücklich mein Gehirn von diesen Worten zu befreien.

Doch ich verpasse regelmäßig den Punkt, an dem ich aufhören sollte.

Ist wie mit einem Softeis im Sommer - erst sitzt es fest und erhaben auf seinem Waffelthron. Doch sobald es dank der Sommerhitze anfängt, zu zerfließen, hört es erst wieder auf, wenn alles auf den Boden getropft ist.

Ich glaub, ich bin viel zu selten an die Grenzen meines Vorstellungsvermögen gelassen worden. Musste mir immer wieder Maulsperren und Gedankenpressen anlegen (lassen), damit die anderen neben mir noch existieren konnten.

Habt ihr das auch schon mal gemerkt?

So viel Denken und inhaltsvolles Reden kann andere Menschen auffressen.

Ab wann werden die Gedankenspiele lästig?

Ab wann wird der Mensch zu den Gedankenspielen nicht mehr in gesellschaftliche Runden eingeladen?

Ab wann wird aus "der hat immer gute Ideen" ein "der weiß immer alles besser"?